Nazis narren die Gemeinden für 26. September 2009

Liebe Freunde im Bürgerforum,
sehr geehrte Damen und Herren in den Redaktionen,
sehr geehrte Kooperationspartner,


vor Wochen schon hatten die Neonazis und "Freies Netz Süd-Aktivisten" um Matthias Fischer, Norman Kempken und Sebastian Schmaus wieder einen Aufmarsch in Gräfenberg am kommenden Samstag, 26. September 2009 angekündigt.  Dieses Mal gab es extra ein  Logo im INternet zum Herunterladen und in den Neonazi-Foren wurde intensiv für den "Protestmarsch" geworben. Zum 43. Mal innerhalb von drei Jahren  sollte die Kleinstadt in das Fadenkreuz genommen werden, weil ein Stadtratsbeschluss und eine engagierte demokratische Öffentlichkeit dafür sorgen, dass die Neonazis keinen Zutritt bekommen zum örtlichen Kriegerdenkmal. Und mindestens 40 Mal haben das Bürgerforum, die politischen Ortsvereine und Kooperationspartner aus der Metropolregion den Nazis mit kreativen Gegenaktionen klar gemacht: Rechtsextremistisches, menschenrechtsfeindliches Gedankengut wird nicht geduldet, Nazi-Aufmärsche dürfen nicht zu einem "normalen" Bestandteil des städtischen Alltag werden.
Die Neonazis störten mit ihren Aufmärschen Hochzeiten, Beerdigungen, das wirtschaftliche Leben in der Stadt. Ein ums andere Mal gerät Gräfenberg in einen Ausnahmezustand, wenn jene braune Bande, die sich als "wahre Deutsche" deklariert, mit Trommeln und dumpfen Sprüchen durch die Gassen zieht.

Am nächsten Samstag sollte  Wahlkampf gemacht werden für die NPD, die die umliegenden Dörfer und die Gemeinden in der Fränkischen Schweiz mit Wahlkampfplakaten zugepflastert hat. Die Plakate machen deutlich, was die NPD vom Grundgesetz hält: Gar nichts nämlich. Denn es wird zum Beispiel die Todesstrafe gefordert und offen soziale Ungleichheit propagiert.
Die Neonazis allerdings hatten übersehen, dass an diesem Samstag auch die "Gräfenberger Michaeliskirchweih" stattfindet. Ein Traditionsfest, bei dem die Kirchweih-Burschen mit ihrem Kirchweih-Baum durch die Straßen ziehen und sich die Gräfenberger an den Biertischen treffen. Ob die an einem vorbeiziehenden Nazi-Aufmarsch Gefallen finden würden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Auch das Forchheimer Landratsamt beschied, dass man an eine zeitliche Verlegung der Veranstaltung denke, weil das Traditionsfest und der Naziaufmarsch nicht vereinbar seien. Schnell mal so entschieden Kempken, Schmaus und Co. den Aufmarsch in das benachbarte Weißenohe zu verlegen. Der Slogan "Denkmäler sind für alle da" sollte beibehalten werden. Allerdings stellte sich heraus, dass die Gemeinde Weißenohe gegenwärtig ihr Kriegerdenkmal, das die Nazis aufsuchen wollten, aufgrund von Bauarbeiten abgebaut hat und der Nazispruch mithin konsequenterweise in "Kein Denkmal ist für alle da" umgewandelt hätte werden müssen.

Die Weißenoher Bürgerschaft, der CSU-Ortsverband, die SPD, die Freien Wähler und das Bürgerforum Gräfenberg kündigten postwendend weiträumige Gegenveranstaltungen an. Das Ordnungsamt konnte den Nazis aufgrund der örtlichen Besonderheiten nur einen 100m-Lauf in der kleinen Gemeinde zusichern, was Norman Kempken anscheinend so wenig attraktiv fand, dass er noch innerhalb des gesetzlichen Anmeldezeitraums den Aufmarsch nach Gräfenberg zurückverlegte.  Nunmehr wird also der Naziaufmarsch doch in Gräfenberg stattfinden, im kleinen Zeitfenster zwischen 13 und 14:30 Uhr. Eine Gegendemonstration wird nicht stattfinden, denn es kann ohne weitere Beeinträchtigung der Kirchweih durch eine Gegendemonstration sichtbar werden: Jene, die sich als "wahre Deutsche" sehen, stören unbekümmert Hochzeiten, Begräbnisse, Kirchweihen; sie denunzieren in aller Offenheit die Demokratie, mißbrauchen die Bürgerrechte und verhöhnen die moralischen Grundlagen eines aufgeklärten Europas.

Eines ist ihnen gelungen, den Nazis: Die Behörden incl. der Polizei über Tage hinweg zum Narren zu halten und die Bürgermeister und Stadträte von zwei Gemeinden in Atem zu halten. Man kann das ohne Weiteres Terror nennen.

Mit freundlichen Grüßen
Bürgerforum Gräfenberg